ZukunftsEntdeckerRoute
Alle Stationen
Bei dieser Radroute liegt der Fokus auf dem Thema regionale Energiegewinnung. Als Alternative zu den Audio-Beiträgen in der Gästeführer-App zeigmal haben wir im folgenden alle Informationen zu den Stationen zum Nachlesen zusammengestellt.
Das grünste Wohnquartier am Bodensee, Allensbach

© Wohnungsbau Bodensee
Das Wohnquartier „s' Dübelhölzle" in Allensbach ist ein Beispiel nachhaltiger Architektur auf dem Gelände einer ehemaligen Metallindustrie. Seit 2021 leben dort rund 60 Menschen in 22 Wohnungen, die weitgehend unabhängig von externen Energiequellen betrieben werden. Grundwasserwärmepumpen, ein Blockheizkraftwerk und Photovoltaikanlagen auf allen Gebäuden sorgen für die zentrale Energieversorgung; eine Tiefgarage ist mit Elektroladestationen ausgestattet, um klimafreundliche Mobilität zu ermöglichen.
Die Gebäude entsprechen dem KfW-40-Standard und benötigen damit etwa 60 Prozent weniger Energie als herkömmliche Neubauten. Die Fassaden bestehen durchgehend aus vorvergrauter Weißtanne aus dem Schwarzwald; wo möglich wurden regionales Holz und ökologische Dämmstoffe eingesetzt. Außenwände und Dachelemente wirken als CO2-Speicher und tragen zu einem angenehmen Wohnklima in Sommer und Winter bei. Besonderes Merkmal sind massive Holzelemente, die aus heimischem Holz gefertigt und ausschließlich mit Buchedübeln – also ohne Leim und Nägel – verbunden wurden. Dadurch sind die Gebäude vollständig recycelbar und können bei Bedarf komplett zurückgebaut werden.
Die hohe Energieeffizienz wird durch ein intelligentes Stromnetz mit mehreren Speichern weiter erhöht; Bewohner können Strom untereinander austauschen, und das System berücksichtigt Wetterdaten sowie Strombörsenpreise. Für diese innovative Technologie erhielt das Projekt 2021 den ersten Platz beim internationalen Wettbewerb der Renewables Grid Initiative.
Mehr Informationen: Wohnquartier Allensbach
Solaranlage am Lärmschutzwall entlang der B33, Allensbach

© Gemeinde Allensbach
Vom Bodenseeradweg zwischen Allensbach und Markelfingen eröffnet sich in Blickrichtung Bodanrück der Blick auf den Lärmschutzwall entlang der Bundesstraße 33, auf dem sich eine etwa ein Kilometer lange Solaranlage befindet. Die Anlage nutzt die Lärmschutzfunktion zusätzlich zur Energieerzeugung und produziert regionalen Ökostrom für Haushalte in Allensbach, ohne landwirtschaftliche Flächen umzunutzen: Vor dem Aufschütten des Walls waren dort weder Ackerflächen noch schützenswerte Biotope vorhanden.
Die Umsetzung stellte eine Pionierleistung der Gemeinde dar. Während der Ausbau der B33 noch andauerte, setzte die lokale Agenda-21-Gruppe durch, dass der Wall nicht nur Lärm abschirmt, sondern auch saubere Energie liefert. Trotz fehlender Eigentumsverhältnisse seitens der Gemeinde, zunächst nicht vorhandener Baugenehmigungen für Solaranlagen im Außenbereich und laufender Flurneuordnung gelang es Allensbach als erster Gemeinde in Baden-Württemberg, eine Genehmigung zu erhalten und damit einen Präzedenzfall zu schaffen.
Heute sind auf dem Wall 3.500 Solarmodule mit einer Leistung von 1,82 Megawatt installiert. Sie versorgen rund 1.000 Haushalte und sparen jährlich etwa 1.300 Tonnen CO2 ein. Die Anlage liefert rund 40 % mehr Energie als fest installierte Dachanlagen. Artenschutzaspekte wurden berücksichtigt: Statt eines Blendschutzzauns zur weiter südlich gelegenen Straße wurde eine Hecke mit heimischen Gehölzen gepflanzt, und Schafe übernehmen die Beweidung unter den Modulen zur natürlichen Rasenpflege. Der produzierte Strom speist außerdem einen lokalen Ökostromtarif mit „Grüner Strom Label“. Für das Projekt erhielt die Gemeinde Allensbach 2025 den Klimaschutzpreis des Landkreises.
aquaTurm, Radolfzell

© aquaTurm
Der aquaTurm in Radolfzell am Bodensee ist ein Beispiel für besonders nachhaltiges und energieeffizientes Bauen. Der ursprünglich 1956 errichtete Wasserturm war nach seiner Stilllegung 1979 mehr als 30 Jahre dem Verfall preisgegeben, bevor die Familie Räffle ein umfangreiches Umbauprojekt startete. Nach rund 20 Jahren Planung und sieben Jahren Bauzeit, wobei etwa 80 Prozent der Arbeiten in Eigenleistung erbracht wurden, entstand ein Hotel, das sich vollständig mit erneuerbarer Energie versorgt.
Die Fassade ist mit über 1.000 Photovoltaik-Modulen verkleidet, wodurch das Gebäude zu einem großflächigen Solarkraftwerk wird. Ergänzend sorgen ein 10.000-Liter-Wärmespeicher und moderne Batteriesysteme dafür, dass die Energieversorgung auch bei weniger Sonnenschein zuverlässig bleibt. Zur weiteren Effizienzsteigerung gehören eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, fünffach verglaste Fenster sowie Dämmung nach Passivhaus-Standard; geheizt und gekühlt wird hauptsächlich über eine Fußbodenheizung. Alle Energie- und Wärmeerzeugungsquellen sind regenerativ: auf dem Dach befindet sich eine absenkbare Windturbine, zudem sind Solarthermie-Kollektoren und eine Hydrothermie-Anlage zur Nutzung von Grundwasser installiert. Auch Aufzüge sind mit Energierückgewinnung beim Bremsen ausgestattet.
Wasserverbrauch wird durch effiziente Pumpen, ein gut isoliertes Leitungsnetz sowie sparsame Armaturen und Duschsysteme minimiert. Durch die Erhaltung von 75 Prozent der ursprünglichen Bausubstanz wurde zudem erheblich graue Energie eingespart. Fast alle verwendeten Materialien stammen aus Deutschland, und der Innenausbau erfolgte größtenteils mit recyceltem Holz. Der aquaTurm verbindet Komfort und Design mit ökologischem Anspruch und gilt als Vorbild für modernes, nachhaltiges Bauen und Tourismus.
Mehr Informationen: aquaTurm
Solarfähre Helio, Radolfzell

© Strandcafé Mettnau
Am Mettnausteg liegt die HELIO, ein 20 Meter langer, solargetriebener Katamaran und Beispiel für umweltfreundliche Schifffahrt. Das Schiff bietet Platz für bis zu 48 Fahrgäste und erreicht eine maximale Geschwindigkeit von etwa 12 km/h. Zwei Elektromotoren mit je 8 kW Leistung treiben das 15 Tonnen schwere Boot emissionsfrei an; die Energie stammt aus 24 Batterien mit jeweils 900 Ah Kapazität, die Fahrten von bis zu zehn Stunden ermöglichen.
Die HELIO verkehrt seit 1999 auf dem Untersee und wurde ursprünglich für den Fährverkehr konzipiert. Bis 2006 pendelte sie zwischen dem schweizerischen Steckborn und Gaienhofen auf der Halbinsel Höri. Heute werden Rundfahrten, Sonnenuntergangsfahrten, Event- und Charterfahrten angeboten. Besonders sind naturkundliche Fahrten mit Vorträgen fachkundiger Referenten über die Landschaft und die zahlreichen Wasservogelarten in den Schilfgürteln; durch den leisen Elektroantrieb bleibt die Stimmung auf dem Wasser ungestört. Der Name Helio ist abgeleitet von Helios, dem Sonnengott aus der griechischen Mythologie.
Mehr Informationen: HELIO
Solarblume, Radolfzell

© Stadtwerke Radolfzell
Auf der alten Mettnau-Brücke steht eine solarbetriebene Ladestation mit Schließfächern zum Aufladen von E-Bikes, Smartphones und Tablets. Die Photovoltaik-Module sind in Blütenform montiert: Die 4 Meter hohe Solarblume richtet sich wie eine echte Blume nach der Sonne aus. Beim errechneten Sonnenaufgang öffnen sich die Solarmodule, reinigen sich selbständig und schließen sich abends wieder. Im Tagesverlauf drehen sich die Module automatisch und stellen sich in die jeweils optimale Neigung zur Sonne; bei starkem Wind schließen sie sich automatisch zum Schutz der Technik.
Durch diese optimalen Bedingungen erzielt die Anlage bis zu 40 Prozent mehr Leistung als eine fest installierte Dachanlage und produziert rund 3.500 Kilowattstunden pro Jahr. Mit der erzeugten Jahresenergie könnte ein durchschnittlicher Vierpersonen-Haushalt versorgt werden. Eine integrierte Batterie speichert Energie für den Zeitpunkt des tatsächlichen Bedarfs.
Seit Inbetriebnahme im August 2016 wurde das Projekt vom Kreis Umweltaktiver Menschen in der Region (KUR) initiiert und leistet an diesem wichtigen Knotenpunkt für Radfahrer einen sichtbaren Beitrag zur nachhaltigen Stromerzeugung im öffentlichen Raum. In Kombination mit der kostenfreien Ladeinfrastruktur für E-Bikes und mobile Endgeräte bietet der Standort einen praxisnahen Zugang zu erneuerbaren Energien und Elektromobilität.
Solarturm am Hafen, Moos

@ Gemeinde Moos
Am Hafen in Moos steht ein Solarturm, der ein Beispiel für die Verbindung von Funktionalität und Ästhetik ist. Entstanden aus einem Designwettbewerb der Hochschule Konstanz, wurde der Entwurf von der Architektin Ruth Anton ausgewählt. Der Turm besteht aus gebogenen Rohrsegmenten aus Edelstahl, misst 3,5 × 4,5 Meter und wiegt etwa 2,5 Tonnen; er kombiniert damit Stabilität und filigrane Eleganz.
In die Konstruktion sind 11 Glas‑Glas‑Solarmodule mit jeweils 106 Wattpeak integriert. Die monokristallinen Siliziumzellen erzeugen jährlich rund 900 Kilowattstunden sauberen Strom. Zwei parallel geschaltete Wechselrichter mit je 650 Watt Dauerleistung wandeln den Solarstrom in netzfähigen Wechselstrom um; die so gewonnene Energie versorgt direkt den Hafen Moos und wird nicht einfach ins öffentliche Netz eingespeist. Der Solarturm wurde von der Kopf AG aus Sulz‑Bergfelden gefertigt und montiert — derselben Firma, die auch die Solarfähre HELIO gebaut hat.
Solaranlage Deponie Moos

© solarcomplex
Im Solarpark Deponie Moos wird aus Altlasten saubere Energie: Wo jahrzehntelang Abfälle gelagert wurden, erzeugen heute 2.112 Solarmodule mit insgesamt 750 Kilowatt Leistung jährlich rund 800.000 Kilowattstunden emissionsfreien Strom. Das entspricht dem Jahresverbrauch von etwa 230 Haushaltenn. Die Anlage wurde 2021 von der Solarcomplex AG aus Singen im Auftrag des Elektrizitätswerks Kanton Schaffhausen errichtet und speist ihren Strom direkt ins Netz ein.
Die Nutzung der ehemaligen Deponie für Photovoltaik ist eine Folge gezielter Flächenschonung: Das Grundstück gehört der Stadt Singen und ist aufgrund seiner früheren Nutzung nicht mehr für die landwirtschaftliche Produktion von Nahrungsmitteln geeignet. Damit wird eine Flächenumwidmung von landwirtschaftlich nutzbaren Flächen vermieden. Der Aufbau einer Solaranlage auf Deponiegelände erfordert zwar aufwändigere und teurere Spezialfundamente, um die Deponieabdichtung nicht zu beschädigen, dennoch wurde diese Lösung bewusst gewählt, um Flächen zu schonen und zur Energiewende beizutragen.
Regionale Bedeutung: Im Landkreis Konstanz existieren mindestens vier Solarparks auf ehemaligen Deponieflächen — Rickelshausen, Moos, Dorfweiher und Langenried — und zeigen, wie brachliegende Flächen sinnvoll für die Energiegewinnung genutzt werden können.
Moosfeldhof, Singen-Bohlingen

© Moosfeldhof
Auf dem Moosfeldhof wird seit über 30 Jahren biologisch-dynamisch gewirtschaftet; die Hofphilosophie verbindet Bodengesundheit, Biodiversität und Klimaschutz. Die gesamte Energieversorgung beruht auf erneuerbaren Quellen, was im energieintensiven Gemüseanbau mit beheizten Gewächshäusern besondere Bedeutung hat.
Zentrales Element ist eine Solarthermie-Anlage mit knapp 1.000 Quadratmetern Kollektorfläche. Bei ihrer Inbetriebnahme 2015 war sie die größte Prozesswärme-Anlage dieser Art in Deutschland. Die Anlage liefert jährlich ein Energieäquivalent von etwa 30.000 Litern Heizöl und spart damit rund 80 Tonnen CO2 ein; die gewonnene Wärme dient der Beheizung der Gewächshäuser, in denen frisches Bio-Gemüse produziert wird. Ergänzt wird die Wärmeversorgung durch Holzheizsysteme als regionale, nachhaltige Quelle. Für den Strombedarf sorgt eine 100‑kW-Photovoltaikanlage auf den Dächern, die mehr als die Hälfte des selbst verbrauchten Stroms erzeugt.
Der Betrieb arbeitet biozyklisch-vegan und verzichtet vollständig auf tierische Dünge- und Betriebsmittel sowie auf chemische Pestizide, Fungizide und Insektizide. Methoden der regenerativen Landwirtschaft fördern Humusaufbau und Bodenleben. Die regenerative Energiegewinnung ist kein Add-on, sondern integraler Bestandteil dieses nachhaltigen Gesamtkonzepts.
Weitere Informationen: Moosfeldhof
Wasserkraft in Rielasingen-Arlen

© V. Lüttke-Lamoureux
Die Wasserkraft der Radolfzeller Aach prägt die Geschichte von Rielasingen-Arlen seit beinahe zwei Jahrhunderten und markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Entwicklung der Region. Was einst als treibende Kraft der Industrialisierung begann, entwickelte sich zu einem wichtigen Baustein der modernen, nachhaltigen Energieversorgung.
Der entscheidende Moment für Arlen kam im Jahr 1834, als der Unternehmer Ferdinand ten Brink die Baumwoll-Spinn- und Weberei gründete. Die Wahl des Standorts war dabei alles andere als zufällig: Die Wasserkraft der Radolfzeller Aach bot die ideale Energiequelle für den Betrieb der mechanischen Spinn- und Webmaschinen. Dieser Schritt läutete einen fundamentalen Strukturwandel ein, der das bis dahin ländlich geprägte Bauerndorf in einen bedeutenden Wirtschaftsstandort verwandelte.
Die Ansiedlung der Textilfabrik zog weitere Betriebe nach sich und machte Arlen zum ältesten Industriestandort im Hegau. Ten Brink ließ nicht nur Produktionsanlagen errichten, sondern auch Arbeiterhäuser und das Heinrich-Hospital, das seinen Mitarbeitern und Bedürftigen medizinische Versorgung bot. Diese soziale Infrastruktur, die eng mit der wasserkraftbasierten Industrie verbunden war, prägt das Ortsbild bis in die Gegenwart.
Heute existieren in Arlen zwei Wasserkraftwerke. Das System funktioniert durch eine ausgeklügelte Wasserwirtschaft: In Rielasingen wird die Aach mittels einer Wehranlage mit drei Tafelschützen aufgestaut. Der Großteil des Wassers wird dann in einen Oberwasserkanal geleitet, während eine festgelegte Mindestwassermenge im ursprünglichen Flussbett verbleibt. Nach der Energieerzeugung führt ein etwa 690 Meter langer Unterwasserkanal das Wasser wieder der Radolfzeller Aach zu.
Die beiden Wasserkraftanlagen Arlen I und II produzieren heute jährlich zwischen 2 und 3 Millionen Kilowattstunden Strom. Dies entspricht dem Jahresverbrauch von etwa 700 bis 850 Haushalten. Damit leisten die Anlagen einen substanziellen Beitrag zur regionalen Energieversorgung. Der Großteil des hier erzeugten Stroms wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist, während der Rest an Privatkunden in der direkten Nachbarschaft verkauft wird. Die Anlagen befinden sich im Besitz der Familie Lüttke, welche sich engagiert für die Förderung der Wasserkraft und die Erhaltung der historischen Anlagen einsetzt.
Die Radolfzeller Aach – Wasserkraft und Naturschutz
Die Radolfzeller Aach oder auch Hegauer Aach entspringt am Aachtopf, der wasserreichsten Karstquelle Deutschlands und fließt 35 Kilometer bis zum Bodensee. Ursprünglich schlängelte sie sich in weiten Bögen durch eine von Eiszeit-Schmelzwässern geprägte Landschaft – ein Paradies für Tiere und Pflanzen.
Bereits seit dem Mittelalter, insbesondere aber ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderte der Mensch den Fluss dramatisch. Die Aach wurde begradigt und kanalisiert, um die Region vor Hochwassern zu schützen und um die Wasserkraft besser für den Antrieb von Mühlen und Industrieanlagen nutzen zu können. Naturnahe Gewässerbereiche, Auen und Feuchtgebiete verschwanden und mit ihnen unzählige Tier- und Pflanzenarten. Mit dem Verlust an landschaftlicher Vielfalt sank aber auch der Erholungswert des Aachtals.
Doch seit den 1990er Jahren kämpfen Naturschützer, Kommunen und Behörden für die Rückkehr zur Natur. Der Auslöser dafür war das Hochwasser im Februar 1988. Mit vielfältigen Renaturierungsmaßnahmen wird der Aach wieder Raum zur eigenen Entwicklung gegeben. Alte Flussschlingen wurden reaktiviert, Verbauungen entfernt und Strömungslenkungen eingebaut. Durch Fischtreppen und Umgehungsgerinne im Bereich der Wasserkraftwerke wurde die ökologische Durchgängigkeit wieder hergestellt.
Ackerflächen am Ufer wurden in extensiv genutztes Grünland umgewandelt – wie einst typisch für das Aachtal. Feuchtwiesen werden ein- bis zweimal im Jahr gemäht, robuste Rinderrassen beweiden die Auen. Grüne Uferstreifen und heimische Gehölze verbessern die Wasserqualität.
Selbst im dicht bebauten Siedlungsraum gelang die Renaturierung: In Singen und Rielasingen-Worblingen wurden steile Ufermauern abgebrochen, Flussläufe umgelegt und wilde Ablagerungen entfernt. Mit flachen Ufern, Buchten und Trittsteinen wurde die Aach wieder für Menschen erlebbar und zu einem grünen Erholungsraum mitten in der Stadt!
Wasserkraftwerk Musikinsel, Singen

© solarcomplex
Das Wasserkraftwerk auf der Musikinsel in Singen verbindet historische Nutzung mit moderner Wasserkrafttechnik. Bereits im 19. Jahrhundert trieb die Radolfzeller Aach an dieser Stelle eine Spinnerei an; später übernahm das städtische Gas- und Elektrizitätswerk die Anlage. Nach Stilllegung 1970 und mehr als 30 Jahren der Untätigkeit wurde das Kraftwerk im Dezember 2004 von der Firma Solarcomplex mit aktueller Technik reaktiviert. Zwei neue Francis‑Turbinen mit Generatoren erzeugen seitdem sauberen Strom für rund 200 Haushalte.
Die Reaktivierung erfolgte unter besonderer Berücksichtigung ökologischer Aspekte: Von den Investitionskosten flossen etwa 70.000 Euro in Naturschutzmaßnahmen wie den Bau von Fischtreppen und Umgehungsgerinnen, die Fischen und anderen Wassertieren das Passieren der Anlage ermöglichen und die Durchgängigkeit der Aach wiederherstellen. An mehreren Stellen entlang der Aach wurde diese Kombination aus Energiegewinnung und Naturschutz umgesetzt. Trotz der heute hohen Anforderungen an Gewässer- und Artenschutz bleibt die Wasserkraft aufgrund ihrer grundlastfähigen Eigenschaften ein wichtiger Baustein der regionalen Energieversorgung und trägt zur Netzstabilität bei.
Seit 2006 ergänzt eine kleine Photovoltaikanlage mit knapp 6 Kilowatt auf dem Dach des Kraftwerkshauses die Energieproduktion, sodass hier „Wasser trifft Sonne“ in der praktischen Kombination genutzt wird. Zusätzlich wird für die Stadthalle Singen und das Aachbad Wasser aus der Aach zur Beheizung entnommen und nach Nutzung wieder eingeleitet, wodurch lokale Ressourcen zur Wärmeversorgung genutzt werden.
Immer Up-To-Date mit unserem Newsletter
Verpassen Sie keine Neuigkeiten und Entwicklungen rund um das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Landkreis Konstanz!
Mit unserem Newsletter bleiben Sie auf dem Laufenden über zukunftsweisende Projekte, innovative Ideen und spannende Veranstaltungen wie die ZukunftsEntdeckerTage.