"Mieterstrom als Blaupause - klimaneutrale Energieversorgung und Elektromobilität im Mehrfamilienhaus"
Über uns
Über mein Projekt
Wir wollen möglichst wenig Strom ins Netz einspeisen, sondern vom erzeugten Eigenstrom so viel wie möglich selbst verbrauchen – das war die Idee. Deshalb habe ich in einem privaten Mehrfamilienhaus ein Mieterstromprojekt umgesetzt. Das Prinzip ist einfach: Erzeugter Strom aus der Dach-Photovoltaik (PV)-Anlage wird den Mieterinnen und Mietern verkauft. Die PV-Anlage selbst amortisiert sich voraussichtlich nach circa zehn Jahren.
Auf dem Dach wurde eine Anlage mit einer Leistung von 29,9 kWp installiert. Ab einer Leistung von 30 kWp wird es komplizierter – unter anderem aufgrund der Notwendigkeit eines NA-Schutzes (Netz- und Anlagenschutz) und einer Wandlermessung. Zusätzlich zur PV-Anlage wurden ein 20 kWh-Speicher sowie zwei Wallboxen installiert.
Im Mieterstrom-Modell bin ich sozusagen der Energieversorger – alle Parteien, die teilnehmen, haben jeweils einen privaten Stromzähler von mir. Der erzeugte Strom geht komplett an die Mieterinnen und Mieter, sie können jährlich kündigen. Die Abrechnung kommt von mir, das läuft über die Software vom Projekt-Partner. Für die Software zahle ich Lizenzgebühr, die über die Nebenkostenabrechnungen auf die Mietpartien umgelegt werden kann, dafür zahlen wir fast keine Grundgebühr. Die Mieterinnen und Mieter, die nicht mitmachen, haben weiterhin geeichte Zähler des zuständigen Netzstellenbetreibers und werden auch über diesen abgerechnet.
Für den benötigten Reststrom wechsle ich nach Prüfung gegebenenfalls jährlich den Anbieter. Der bezogene Strom soll aus 100 Prozent regenerativen Energien stammen. Da ich den Strom als Großkunde für alle Mieterinnen und Mieter einkaufen kann, fällt nur eine einmalige Grundgebühr an. Diese kann auf die Mietparteien umverteilt werden. Hätten alle Mietparteien einen separaten Stromanbieter, müssten alle jeweils beim entsprechenden Anbieter ihre Grundgebühr bezahlen.
Bislang ist niemand aus dem Mieterstrommodell abgesprungen. Die teilnehmenden Mieterinnen und Mieter sind zufrieden, sparen Geld und erleben das Modell als unkompliziert. Zwei Mieter haben nicht mitgemacht. Auch sie verbrauchen jedoch meinen PV-Strom, wodurch sich die Bilanz des gesamten Hauses verbessert.
Was macht das Projekt so besonders und wie profitiert die Region davon?
Das Projekt zeigt, wie Mieterinnen und Mieter stärker an der Energiewende beteiligt werden können. Der Großteil der Menschen im Kreis Konstanz lebt in Mehrfamilienhäusern in Wohnungen. Nur etwa zehn Prozent derjenigen die in einem Einfamilienhaus leben, haben bislang die Möglichkeit, selbst eine PV-Anlage und eine Wallbox zu installieren – für Mietparteien gibt es bislang nur wenige Möglichkeiten, selbst aktiv an der Energiewende teilzunehmen, es sei denn, der Vermieter unterstützt entsprechende Projekte.
Auch das Laden von Elektroautos ist für viele Menschen eine Herausforderung, wenn am eigenen Haus keine Wallbox vorhanden ist. Die beiden Wallboxen des Projekts sollen hier eine zusätzliche Möglichkeit schaffen. Für das Laden wird nur der Strom verwendet, der nach dem Verbrauch im Haus noch übrig ist.
Noch oft werden viele geeignete Dachflächen nicht genutzt. Gerade bei Mehrfamilienhäusern bleiben große Dächer häufig unbelegt. Darin liegt ein riesiges Potenzial.
Ich würde es wieder machen und würde es auch empfehlen – weil auch alles Sinn macht. Das System ist einfach so logisch.
Soweit ich weiß, war ich der erste in Konstanz, der ein solches Projekt privat umgesetzt, sich durch die administrativen Hürden durchgekämpft und dokumentiert hat. Die dabei entstandenen Unterlagen beziehungsweise die Dokumentation aller Schritte habe ich auch zur Verfügung gestellt, sodass jede Nachahmerin beziehungsweise jeder Nachahmer sie herunterladen und nutzen kann. Ich habe hierzu auch schon viele Anfragen bekommen.
Was bedeutet die Auszeichnung mit dem Klimaschutzpreis 2026 für mich?
Mit der Auszeichnung wird der Aufwand wertgeschätzt, der hinter dem Projekt steht. Ein solches Vorhaben lässt sich nicht nebenher umsetzen. Die administrativen Anforderungen sind umfangreich und der Weg war mit viel Arbeit verbunden. Darum finde ich es extrem schön, dass es gesehen wird.
Besonders erfreulich wäre es, wenn das Projekt andere zur Nachahmung anregt. Je mehr Mehrfamilienhäuser Mieterstrom nutzen, desto besser, in Deutschland gibt es noch ein großes Potenzial.
Was möchte ich in diesem Bereich noch erreichen?
Das Haus meiner Mutter wäre als nächstes dran, was Modernisierungen anbelangt.
Eventuell werde ich mir noch Gedanken dazu machen, wie ein entsprechendes Konzept für Wohneigentümergemeinschaften aussehen könnte. Gerade hier gibt es noch Hürden, aber auch großes Potenzial.
Auszeichnungen und Partnerschaften
